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Gegen
15.00 Uhr reißt die Musik auseinander. Die letzten Akkorde versinken in
einer Kakophonie aus Schreien, Gestöhne und ängstlichen Rufen. Das Licht
fällt aus und im Halbdunkel wälzen sich Hunderte verletzter Zuschauer. Ganz
plötzlich hat sich ein ausgelassenes Rockkonzert (Halle 25, Berliner
Messegelände) in einen Ort des Grauens verwandelt. Sanitäter tasteten durch
das Halbdunkel und Notarzt Dr. Frank Meritz (DRK Klinik Westend) versucht
einen Überblick zu bekommen. Noch ist er der einzige Arzt vor Ort. Auch die
anwesenden Sanitäter reichen nicht aus, von über 200 Verletzten hat der Arzt
Kenntnis.
Wenig später trifft Verstärkung ein. Ein
Konvoi aus Feuerwehr- und DRK-Fahrzeugen schiebt sich aufs Messegelände.
Polizisten sichern die Unfallstelle ab und ein Teil der Rettungskräfte hilft
beim Bergen der Verletzten. Andere Helfer errichten mehrere große Zelte. Es
entstehen ein Behandlungs- und ein Betreuungsplatz.
Glücklicherweise handelt es sich bei dem Szenario nur um eine Übung.
Erstmals trainieren in Berlin über 250 Einsatzkräfte mit 50
Einsatzfahrzeugen einen sehr großen Schadensfall. Die Übungslage am Samstag,
dem 20. Juni 2009, simuliert eine Musikveranstaltung auf dem Berliner
Messegelände. Es kommt zu Ausschreitungen und einer Massenpanik, in deren
Folge über 200 Betroffene zu versorgen sind. Die Helfer stehen plötzlich vor
mehreren Aufgaben: Die Medizinische Sichtung, die erste Behandlung und der
schnelle Transport vital bedrohter Patienten müssen schnell und
professionell realisiert werden.
„Das
ist nicht immer einfach“, erläutert Dr. Sabine Bergmann-Pohl, Präsidentin
des Berliner Roten Kreuzes, den anwesenden Journalisten. „Häufig werden die
Helfer von den am lautesten schreienden Personen beansprucht. Doch das sind
meistens keine Schwerverletzten. Dieses Beispiel beschreibt eins der
Übungsziele: Die Helfer müssen Prioritäten setzen. Wem helfen sie zuerst?“
Das
Berliner Rote Kreuz ist mit seiner Schnelleinsatzgruppe-Rettungsdienst,
einem Behandlungsplatz, einem Betreuungsplatz, einer Verpflegungsgruppe, dem
Suchdienst und dem Fernmeldedienst vor Ort. Das DRK setzt dabei die neue,
von der DKLB-Stiftung finanzierte Ausstattung für einen Behandlungsplatz
ein. Die Berliner Feuerwehr testet ihr Sichtungssystem zur Erkennung
lebensbedrohlich Verletzter und die Berliner Polizei erprobt ihr System
BePass, einen Auskunftsdatei zur Opfererfassung bei Großschadensereignissen.
Besondere Unterstützung kommt von Ralf Leickner, Sachgebietsleiter Technik
der Messe Berlin, der diese Übung erst ermöglichte. Zusammen mit
Übungsleiter Roland Ulbrich verfolgt er das Geschehen und freut sich, als
die ersten RTWs die Messe in Richtung Charité (Klinikum Mitte und Klinikum
Wedding) verlassen. Jetzt weiß er, dass die Übung wie geplant verläuft, die
Rettungskräfte haben die Situation im Griff.
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