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Für die im
Oktober 2009 entsandten Weltwärtsfreiwilligen des Berliner
Roten Kreuzes heißt es Halbzeit. Ihre Eindrücke aus den
letzten 6 Monaten haben sie niedergeschrieben, die Sie
auszugsartig hier nachlesen können.
Wir wünschen den
drei Freiwilligen ein verbleibendes spannendes halbes Jahr
in Argentinien und drücken ihnen weiterhin die Daumen für
Arbeit in den Projekten.
„…Ja, so schnell
können aus 2 Monaten 6 werden. Jetzt bin ich schon zu einer
richtigen Gasherdexpertin geworden, höre das Gequietsche des
provisorischen Betts, auf dem ich immer noch schlafe gar
nicht mehr und habe gelernt, wenn es regnet mit einem
Handtuch über dem Kopf auf Toilette zu gehen…Ich bin im
argentinischen Alltagsleben angekommen. Es gibt für mich
nichts normaleres mehr als morgens an der Bushaltestelle zu
stehen und den Arm rauszuhalten wenn mein Bus kommt. Auch
das Einsteigen in den noch fahrenden Bus ist kein Problem
mehr. Es gehört genau so dazu, wie der kurze Plausch mit dem
Busfahrer. Für die Argentinier und mich mittlerweile auch,
ist es auch ganz normal in einen Bus einzusteigen, der
gerade an einer roten Ampel steht. Doch neulich habe ich
festgestellt, dass einige Busfahrer darüber nicht so erfreut
sind. Besonders nicht, wenn gerade ein Kontrolleur im Bus
ist. Ich durfte mir also kurz eine Standpauke anhören, dass
in die Busse nur an Bushaltestellen eingestiegen wird, aber
dann war auch alles wieder gut…Wenn ich dann gegen 9 Uhr an
meiner Arbeitsstelle ankomme, wird erstmal allen „Holla“
gesagt und kurz über alltägliche Dinge gesprochen. Bis vor
Kurzem konnte ich diese morgendlichen Gespräche nicht
führen. Aber mittlerweile haben sich meine
Spanischkenntnisse so weit entwickelt, dass ich auch so
einige Witze verstehe, die Bewohner wie Mitarbeiter ab und
zu machen. Ich bin sehr froh, weil es mir zeigt, ja ich habe
spanisch gelernt. Meistens gehe ich nach dem morgendlichen
Tratsch die Schlafräume der Mädels putzen. Wenn dort alles
funkelt sehe ich zu, dass ich in der Küche bei der
Vorbereitung des Mittags helfen kann. Montags und freitags
gehe ich immer noch fleißig zum Trommeln. Unsere Gruppe hat
sich um 2 weitere Bewohner vergrößert. Auch sie sind ab
sofort mit vollster Begeisterung dabei. Unser Gemüse -/
Obst-Beet hat sich ebenfalls vergrößert. Die anfangs ca.5cm
hohe Basilikumpflanze ist jetzt einen guten Meter hoch und
wird von den Köchen bereitwillig genutzt. Aus den 2
Erdbeerpflanzen wurden mittlerweile auch 15. Also es wächst
und gedeiht alles wunderbar und, das ist das Wichtigste, es
wird auch gebraucht…“
„…Ich male und
bastele sehr viel mit den Bewohnern, die sich immer über ein
weißes Blatt Papier und einen Buntstift freuen. Demnächst
werde ich dich darum kümmern die Zimmer der Bewohner mit
ihnen gemeinschaftlich etwas persönlicher zu gestalten. Wir
werden Schablonen aus Pappe vorbereiten mit verschiedenen
Motiven (Blumen, Sternen, Ornamenten). Danach haben sie die
Möglichkeit nach Lust und Laune ihr Zimmer mit Hilfe eines
Schwammes, der Schablone und verschiedenen Farben zu
verschönern…Mich hat es sehr beeindruckt, als ich erfahren
habe, dass ein Mädchen, welches im Rollstuhl sitzt, zweimal
die Woche Physiotherapie hat. Ich war schon zweimal dabei
und finde es klasse, es macht ihr sehr viel Spaß und man
merkt deutlich, dass es ihr wichtig ist diese
Dreiviertelstunde nur Aufmerksamkeit für sich zu
haben…Weiterhin kommen in den letzten Wochen oft neue
Freiwillige in die Einrichtung. Irgendwie ist es zu meiner
Aufgabe geworden ihnen die Einrichtung zu zeigen, ihre
Aufgaben zu erklären und sie die ersten paar Tage und bei
Problemen (z.B. bei der Verständigung) zu unterstützen. …
Auch habe ich viele Bekanntschaften zu ArgentinierInnen
geschlossen und festgestellt, dass der Umgang miteinander
sich von meinen deutschen „Gewohnheiten“ unterscheidet. Zum
Beispiel finde ich es kompliziert zu merken, ob man wirklich
gemocht wird oder die Gastfreundlichkeit und Nettigkeit
allein durch die Höflichkeit der meisten ArgentinierInnen zu
begründen sind. Man wird sehr oft nett aufgenommen und im
gleichen Atemzug wird Hilfe angeboten. Somit ist es etwas
schwierig wahre Freunde zu finden…“
„…Es ist
Halbzeit, die ersten 6 Monate sind vergangen. Mein Spanisch
hat sich verbessert und ich habe viel erlebt…Jeder
Arbeitstag beginnt jetzt mit der Hilfe bei der ärztlichen
Versorgung eines Dekubitus bei einer Bewohnerin.
Zwischendurch hatte eine andere Bewohnerin Maden in den
Beinen, sie wurde aber erfolgreich behandelt. Es war ein
Schock für mich und hat meine Ekelgrenze wieder um einiges
verschoben.
Um für die Senioren etwas Abwechslung in den Alltag zu
bringen, gehe ich abwechselnd mit ihnen ab und zu zum Kiosk,
um mit ihnen Brot zu kaufen. Dadurch bewegen sie sich etwas
und kommen auch mal aus der Einrichtung raus. Ich helfe
auch immer noch bei der Zubereitung der Mahlzeiten. Da ich
sehr gerne koche und den Nonnos eine Freude bereiten wollte,
habe ich nach Absprache mit meiner Kollegin und dem Chef
einen Tag lang das Sagen in der Küche gehabt. Ich war am
Vortag einkaufen und habe Frühstück mitgebracht sowie das
Mittagessen gekocht. Es hat allen geschmeckt und ich wurde
sogar nach dem Rezept gefragt. Ich habe es meiner Kollegin
gegeben und mir einige Argentinische von ihr geben lassen.
Die Zubereitung lerne ich durch das Kochen mit ihr kennen.
Ich habe mich
jetzt komplett in Córdoba eingelebt. Wenn ich mal den
falschen Bus nehme, finde ich mich allein in der Stadt
zurecht und komme schnell zu Hause an. An die spontane und
sehr entspannte Lebensweise habe ich mich gut gewöhnen
können. Alle Geschäftsinhaber im näheren Umkreis kennen mich
mit Namen und meistens brauche ich gar nicht mehr zu sagen,
was ich kaufen möchte, da sie es schon wissen. Selbst am
Busbahnhof, hat sich die Frau am Schalter an mich erinnert…
Die letzten Monate hatten wir hier Sommer und die
Temperaturen stiegen manchmal bis zu 45°C. Durch diese
Temperaturen verändert sich auch der Boden. Wenn es dann mal
regnet, dann schüttet es. Das Wasser steht noch 3 Stunden
später 50cm hoch in den Straßen.
Von dem Erdbeben in Chile haben wir auch ein wenig gemerkt,
allerdings ist in unserer Provinz nichts kaputt gegangen. Es
lief über mehrere Tage nichts anderes mehr in den
Nachrichten und war auch auf den Straßen Gesprächsthema
Nummer Eins. Jeder scheint Bekannte in Chile zu haben oder
Leute zu kenne, die gerade dort im Urlaub waren.
Für uns hatte es Auswirkungen auf das Zwischenseminar,
welches in dem am schlimmsten betroffenen Gebiet stattfinden
sollte. Es wurde vertagt und findet jetzt in Argentinien
statt…“
Ansprechpartnerin
für Weltwärts:
DRK Landesverband Berliner Rotes Kreuz e.V.
Angela Kernke
Bachestraße 11
12161 Berlin
Telefon:
(0049)-(0)30-85005-344
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