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Netzwerk 11 - eine Großübung

Für die Übung wird ein Raum zum Datenerfassungszentrum umfunktioniert.

Netzwerk 11 - eine Großübung der DRK-Suchdienste Berlin und Brandenburg

Nach viermonatiger Vorbereitungszeit war am 21.05.2011 der Moment gekommen, in dem die DRK-Suchdienste der Landesverbände Berliner Rotes Kreuz und Brandenburg ihr Wissen und Können im Rahmen der diesjährigen EDV-Großübung Netzwerk11 in der Region Berlin-Brandenburg auf den Prüfstand stellen konnten. Angenommen wurde eine fiktive Katastrophenlage in Berlin, bei der tausende Berliner Bürgerinnen und Bürger ihre Stadt wegen eines länger währenden Stromausfalls verließen, da sie einfach keine normalen Lebens- und Versorgungsbedingungen mehr vorfanden und keine Verwandten oder Freunde hatten, die ihnen Unterschlupf hätten gewähren können. Sie suchten Hilfe und Betreuung in 35 brandenburger Notunterkünften bzw. Behelfskrankenhäusern, die von den örtlichen brandenburger Behörden eingerichtet wurden.

Eine derartige, zum Teil panikartige, Massenflucht hat in der Regel zur Folge, dass Menschen den Kontakt untereinander verlieren, Familien getrennt werden. Hier setzt die Hilfe des DRK-Suchdienstes an. Seine eigens für diese Zwecke geschaffenen Kreisauskunftsbüros (KAB) werden durch die Katastrophenschutzbehörden zum Einsatz gebracht. Ihre Aufgabe ist es, Daten über die betroffenen Personen zu erfassen, Suchanfragen der Angehörigen aufzunehmen, die Daten abzugleichen, den Aufenthaltsort der gesuchten Person zu ermitteln, um letztendlich den Suchenden die erlösende Auskunft zum Verbleib ihrer Angehörigen zu übermitteln.

Auf Grund der zu erwartenden hohen Datenmenge wurde es notwendig, eine Kapazitätsaufstockung in den Suchdienststrukturen bzw. eine Bündelung von Strukturen in der Region vorzunehmen. So wurde im Suchdienst-Call-Center (Kundenservice-Center des DRK LV Berliner Rotes Kreuz) das Personal von zwei Berliner KAB konzentriert, deren Aufgabe es war, an 16 Arbeitsplätzen Suchanfragen telefonisch, schriftlich und im persönlichen Gespräch aufzunehmen.13 Brandenburger KAB, verstreut über das ganze Land, hatten den Auftrag die Daten aus ihren lokalen Notunterkünften und Krankenhäusern in Computern einzugeben und auf dem Suchdienst-Zentralserver zu speichern. Zusätzlich nahm das Suchdienst-Call-Center des DRK-Kreisverbandes Potsdam/Zauch-Belzig in Bad Belzig mit 5 Arbeitsplätzen seinen Dienst auf, um der Bevölkerung längere Wartezeiten in der Hotline zu ersparen. Die mobile Personenauskunftsstelle (mPASt) des DRK-Kreisverbandes war unterwegs und erfasste Betroffenendaten, die per UMTS-Übertragung drahtlos an den Zentralserver übertragen wurden. Auf diesem wurden die Daten abgeglichen, so dass die Aufenthaltsorte von vermissten Personen ermittelt werden und den Angehörigen telefonisch Auskunft darüber erteilt werden konnte. Alle Strukturen nutzten die DRK-Software XENIOS. Insgesamt beteiligten sich 16 Kreisauskunftsbüros, die mobile Personenauskunftsstelle sowie die Landesauskunftsbüros Berlin und Brandenburg mit insgesamt 133 Helferinnen und Helfer an dieser Übung. 86 Computer wurden mit dem Zentralserver für die Datenverarbeitung via Internet und gesicherter Leitung vernetzt. Die Bilanz für die knapp 5-stündige Übung kann sich sehen lassen. Durch das hohe Engagement aller Einsatzkräfte konnten 4.996 Datensätze zu Personen in Notunterkünften etc. und 709 Suchanfragen erfasst werden. 548 Suchfälle konnten als potenziell lösbar eingestuft werden, von denen wiederum 213 Fälle endgültig erledigt wurden. Die mittlere Eingabekapazität betrug ca. 1.100 Datensätze/Stunde.

Die Übung Netzwerk11 hat wiederum, analog zu den Übungen in den Jahren zuvor, unter Beweis gestellt, dass ein kapazitätsgebündeltes und zugleich arbeitsteiliges Vorgehen der einzelnen Suchdienststrukturen im EDV-Verbund, große Vorteile in Bezug auf Effektivität, Schnelligkeit und Flexibilität in der Datenverarbeitung sowie des Helfereinsatzes bietet. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Übung ist auch das koordinierte Zusammenwirken der Suchdienstkräfte aus zwei Bundesländern, denn die Katastrophenereignisse machen an den Grenzen der Bundesländer nicht halt, bzw. die Hilfe muss über die Grenzen organisiert und gewährleistet werden.

Aber der Erfolg hat sich nicht von selbst eingestellt oder war etwa nur durch die Verwendung einer hervorragenden EDV-Technik möglich. Entscheidend war auch bei dieser Übung wiederum der Mensch, waren es die Kameradinnen und Kameraden, die voller Ehrgeiz, Motivation und Engagement den Datenbergen zu Leibe rückten und über Stunden hinweg konzentriert arbeiteten und so dieses beeindruckende Ergebnis erzielten.

Eva Maria WischnewskiUwe Liebich
Leiterin DRK Suchdienst BerlinLeiter DRK Suchdienst Brandenburg

 

 

 

Fotos: Berliner Rotes Kreuz e.V.