Am Samstag, dem 24. Oktober 2026, nahm ich im Rahmen meines Praktikums beim Berliner Roten Kreuz an der Weiterbildung „Umgang mit ungebundenen Helfenden“ teil. Im Austausch mit den Teilnehmenden und durch praktische Übungen erhielt ich Einblicke, wie unterschiedliche Helfende im Krisenfall koordiniert und sinnvoll eingebunden werden können.
Wer kann wie helfen?
In einer ersten Gruppenübung überlegten wir anhand eines Fallbeispiels, welche Aufgaben verschiedene Helfende in einer Betreuungsstelle übernehmen könnten. Dabei berücksichtigten wir berufliche und sprachliche Kenntnisse, persönliche Erfahrungen, zeitliche Verfügbarkeit und individuelle Grenzen. Mir wurde deutlich, wie wichtig es ist, vor der Aufgabenverteilung zu klären, welche Fähigkeiten jemand mitbringt, welche Aufgaben die Person übernehmen möchte und unter welchen Bedingungen eine Mitarbeit möglich ist.
In einer weiteren Übung erweiteterten wir den Fokus von Einzelpersonen auf das lokale Umfeld: Welche Räume, Materialien und personellen Kapazitäten könnten örtliche Organisationen im Schadensfall zur Verfügung stellen? Wie können diese eingebunden werden?
Vielfältige Fähigkeiten benötigen klare Strukturen
Eine zentrale Erkenntnis war für mich, dass die unterschiedlichen Voraussetzungen vor Ort einen gemeinsamen Handlungsrahmen erfordern, der sich zugleich flexibel an die jeweilige Lage anpassen lässt. Ungebundene Helfende können dabei eine wertvolle Ergänzung sein. Gerade bei speziellen Aufgaben bringen sie möglicherweise Fachkenntnisse und Erfahrungen mit, die im bestehenden DRK-Team nicht oder nicht in gleichem Umfang vorhanden sind. Diese Fähigkeiten zu erkennen und gezielt einzusetzen, kann die Hilfe vor Ort wesentlich stärken.
Damit die Unterstützung funktioniert, müssen fachliche Kompetenz und Führungsverantwortung klar geregelt sein. Ungebundene Helfende sollten in die bestehenden Führungs- und Zusammenarbeitsstrukturen eingebunden werden. Handeln alle unabhängig voneinander, können trotz guter Absichten Informationslücken, doppelte Arbeit oder unklare Zuständigkeiten entstehen. Klare Abläufe helfen, die Kräfte zu bündeln und die Zusammenarbeit zu erleichtern.
Dabei kommt es nicht nur auf Organisation an, sondern auch auf den Umgang miteinander. Helfende brauchen verständliche Aufgaben, Orientierung und Unterstützung. Sie sollten erleben, dass ihre Fähigkeiten anerkannt werden und ihr Beitrag zählt. Gleichzeitig benötigen sie eine gute Einweisung, insbesondere für den respektvollen Umgang mit betreuten Menschen. Denn auch spontan Helfende können von Betroffenen als Teil des DRK wahrgenommen werden.
Vorbereitung beginnt vor der Krise
Viele wichtige Schritte lassen sich bereits im Vorfeld einer Katastrophe unternehmen. Werden Fähigkeiten und Einsatzmöglichkeiten potenzieller Helfender frühzeitig erfasst und Kontakte gepflegt, können Unterstützungsangebote im Ernstfall schneller koordiniert und Aufgaben gezielter verteilt werden. Dafür braucht es auch eine gute Zusammenarbeit über einzelne Kreisverbände und Arbeitsbereiche hinaus. Informationen müssen erfasst, aktuell gehalten und im entscheidenden Moment verfügbar sein.
Die Weiterbildung hat mir gezeigt, wie viel Vorbereitung hinter der sichtbaren Hilfe vor Ort steckt. Aus dem zunächst abstrakten Begriff der Koordination sind für mich konkrete Fragen geworden: Wer kann welche Unterstützung leisten? Wer ist ansprechbar? Wie werden Aufgaben und Zuständigkeiten geklärt? Und wie lassen sich tragfähige Kontakte schon vor einer Krise aufbauen? Mit diesen Fragen möchte ich mich auch im weiteren Verlauf meines Praktikums beschäftigen.
Ich danke den Organisierenden und allen Teilnehmenden für den offenen Austausch und die vielfältigen Einblicke in die Zusammenarbeit im Krisenfall.
Die Schulung wurde im Rahmen des durch die GlücksSpirale geförderten Resilienzprojekts des Berliner DRK-Landesverbandes angeboten.
Weitere Schulungstermine im Rahmen des Projektes:
Lagerungstechniken und Erkranken im Alter
23.01. & 13.02.2027
23.10. & 27.11.2027
Umgang mit ungebundenen Helfenden
10.04.2027
04.12.2027